“Dürfen Kinder mitentscheiden?” Bericht zum Vortrag/Workshop am 19. März

Mit dem Vortrag/Workshop “Mitbestimmung von Kindern – klappt das wirklich?” startete das Straubinger Bündnis für Familie seine Vortragsreihe zum Projekt “Familienbildung in Straubing.” Klaus Dettl begrüßte 16 Teilnehmer im Familienbüro, unter ihnen auch die Vorsitzende des Bündnis, Stadt- und Verwaltungsrätin Hannelore Christ. Sein spezieller Gruß und Dank galt den beiden Referentinnen des Abends, Kommunikationstrainerin Nicole Niedermeier und Elterntrainerin Marion Fuchs, die für diesen Abend gewonnen werden konnten.

“Solange Du Deine Füße unter unseren Tisch setzt, bestimmen wir, was Du zu tun oder zu lassen hast”. Dieser Ausspruch, meistens vom Vater zelebriert, war Standard in der Kindererziehung, wenn es um die Mitsprache bei Entscheidungen ging, die Kinder und Jugendliche betrafen.

“Aufgeschlossene Eltern begreifen sich heute aber nicht mehr als das allmächtige Sprachrohr ihrer Kinder, sondern als Partner, die bei familiären Angelegenheiten ihre Kinder mitreden und auch mitentscheiden lassen”, so Nicole Niedermeier und weiter “wann Kinder bewusst und reflektierend entscheiden können, hängt von ihrem Alter und ihrer kognitiven Entwicklung ab. Faustregel: Je älter, desto weiter reichende und komplexere Entscheidungen kann es treffen”. “Mitbestimmung muss altersgerecht sein und muss geübt werden. Das geht am besten mit der Führung der Eltern, die bestimmte Entscheidungen durch eine Vorauswahl vereinfachen können”, führte Dipl. Sozialpädagogin (FH) Marion Fuchs weiter aus und ergänzt: “Lässt man vor allem noch nicht schulpflichtigen Kindern zu viele Wahlmöglichkeiten, dann fühlen sie sich schnell überfordert. Besser ist Mitbestimmung in kleinen Schritten, nur zwei Möglichkeiten anbieten, die sich einander nicht ausschließen dürfen. Mitentscheidung beim Vorlesen: Möchtest du erst die Geschichte vom Räuber Hotzenplotz und dann eine aus dem Dschungelbuch oder umgekehrt? Durch diese Fragestellung wissen die Kinder, dass sie nicht verlieren können und freuen sich über die Freiheit der Wahlmöglichkeiten”.

Breiten Raum nahm die Klärung der Begriffe “Regel und Vereinbarung” in der Erziehungsarbeit ein. Regeln, offen oder unausgesprochen, stellen die Eltern auf. Sie gelten für die ganze Familie und lassen grundsätzlich keine Ausnahmen zu. Beispiel: Zähneputzen oder Fahrradhelm tragen. Eine Vereinbarung ist ein mündlicher oder schriftlicher “Vertrag” unter Eltern und Kindern, sie gilt eine vereinbarte Zeit und kann von den Beteiligten jederzeit geändert werden. Beispiel: Wann Hausaufgaben machen? Wie lange die tägliche Handynutzung. “Für die Durchsetzbarkeit einer Regel oder einer Vereinbarung ist entscheidend, dass immer vorher eine Konsequenz angekündigt oder vereinbart wurde. Ob eine Regel oder eine Vereinbarung getroffen wird, entscheidet jede Familie individuell” führte Nicole Niedermeier aus. Anhand von Beispielen erläuterten die Referentinnen, wann es sinnvoll ist eine Regel aufzustellen und wann eine Vereinbarung zu treffen. Die Teilnehmer schilderten dann, welche Regel und Vereinbarungen in ihren Familien gelten. Dabei gab es wichtigen Inhalten kaum Unterschiede.

Was sollten Kinder in welchem  Alter können? Diese Frage wurde mit Hilfe eines Arbeitsblatts, erstellt von den Referentinnen, ausführlich besprochen. Dabei der Hinweis von Marion Fuchs, “dass nur Anhaltspunkte gegeben werden können, was die Eltern von ihren Kindern in welchem Alter erwarten können. Entwicklungstempo und die Förderung der Kinder spielen dabei eine ganz entscheidende Rolle”.

Abschließend wurden zusammen die Merkmale einer Vereinbarung erarbeitet und in einem Merkblatt den Teilnehmern überreicht.

Vorsitzende Hannelore Christ bedankte sich abschließend bei beiden Referentinnen für die praktischen Informationen und Beispiele und den netten und kurzweiligen Abend. Ihr Fazit:” Regeln und Vereinbarungen machen Sinn in der Erziehungsarbeit, denn Mitsprache der Kinder bedeutet auch Konfliktpotential mit den Eltern. Kinder lernen dabei wichtige Kommunikationsregel und bekommen das Gefühl als vollwertiges Familienmitglied akzeptiert zu werden. Wer sich ernst genommen fühlt nimmt auch Regeln und Vereinbarungen ernst. Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen und begreifen, dass Handeln immer Konsequenzen hat. Die Möglichkeit zur Mitbestimmung fördert bei Kindern letztlich demokratisches Denken und Handeln und schafft eine gesunde Basis für ihr Sozialverhallten”.

Wer Interesse hat, sich intensiver mit erzieherischen Themen zu beschäftigen, den lädt das Bündnis für Familie zum bewährten dreiteiligen und kostenlosen Elterntraining ein. Dieses startet am 30. April um 19.00 Uhr. Weitere Informationen finden sich unter www.familienbuendnis-straubing.de und www.gemeinsam-stark.de;               Kde/29/3/25